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Dießen am Ammersee, Blaues Haus

SO 11.08. | 11 Uhr
Inspirationen aus Fernost

Vortrag mit audio-visuellen Beispielen von Heinz-Dieter Reese, M.A.
Ein Drama aus dem japanischen Bunraku- und Kabuki-Theater von 1746 / 47 als Vorlage für Carl Orffs Jugendoper „Gisei – Das Opfer“

Orffs Oper „Gisei – Das Opfer“ (1913) basiert auf der deutschen Übersetzung einer japanischen Theaterszene, die der Hamburger Japanologe Karl Florenz erstmals 1900 in seinem Buch „Japanische Dramen“ veröffentlichte: „Terakoya“ (Die Dorfschule). Sie stammt aus einem längeren Historiendrama, das 1746 für das japanische Bunraku- Figurentheater geschrieben wurde und bereits im folgenden Jahr auch Eingang ins konkurrierende Schauspielertheater Kabuki fand. In beiden Theatertraditionen ist die Szene „Terakoya“, die den Höhepunkt des Dramas bildet, bis heute ein beliebtes Repertoirestück.

Den Hintergrund der Handlung bildet ein Zwist zwischen zwei Fürstenhäuser des frühen japanischen Mittelalters, der auf der unteren Ebene der Vasallen zu schwerwiegende Loyalitätskonflikten führt. Die Folge sind Zerstörung von Familienbanden, Abschied, Tod und sogar die Opferung eines Kindes.

Im Bunraku-Theater wird das tragische Geschehen mit nahezu menschengroßen Puppen dargestellt und von einem einzelnen Sänger-Rezitator mit Unterstützung eines Lautenspielers stimmlich expressiv vermittelt. In der Kabuki-Version ist der Dramentext im Detail modifiziert und als Sprechtheater auf die einzelnen Rollen aufgeteilt. In beiden Theaterformen konzentriert man sich auf die hochemotionalen Momente der Handlung, die mit genretypischen darstellerischen und musikalischen Mitteln einen überhöhten Ausdruck erfahren.

Im Vortrag werden anhand zahlreicher Beispiele die Merkmale der japanischer Musik- und Dramenkunst des Bunraku und Kabuki erläutert und mit Video-Ausschnitten aus beiden Versionen der Szene „Terakoya“ illustriert.

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